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Das neue Leiden der Lachse

Weil der Hunger nach dem Fisch grösser und grösser wird, werden in Norwegen, Irland, Schottland oder Südamerika immer mehr Lachse gezüchtet. Wie bei anderen Massentierhaltungen auch wirken sich die nicht artgerechten Haltungsbedingungen negativ auf die sonst als Einzelgänger lebenden Tiere aus. Der Dauerstress schwächt die Immunabwehr der Lachse, was sie krankheitsanfälliger macht. Die enorme Dichte in den Netzgehegen fördert zudem die Übertragung von Parasiten und Krankheiten. Die Industrie antwortet darauf mit Chemie und Medikamentenkeulen.
Jahrelang versuchten die Züchter, mithilfe von Antibiotika präventiv Krankheiten in den Fischgehegen zu vermeiden. Mit fatalen Folgen für Tier und Mensch: Bakterien wurden gegen die Arzneien immer resistenter.
Heute werden die Lachse mehrheitlich gegen bakterielle und gewisse virale Infektionserkrankungen geimpft. Die Impfungen werden entweder direkt in das Tier eingespritzt, durchs Futter aufgenommen oder mittels Bad- oder Tauchimpfung verabreicht.
Ein Vorreiter ist der Zuchtlachsweltmeister Norwegen. In den 1970er-Jahren wurden in den Zuchtlachsfarmen viele antibio­tikaresistente Krankheitserreger nachgewiesen. Deshalb fing man an, die Tiere zu impfen. Seither ist die Zuchtlachsproduktion um das Fünfzigfache gestiegen, der Antibiotikaverbrauch jedoch praktisch auf null zurückgegangen.

Die letzte Zeche im Ruhrgebiet macht dicht

Seit fast 200 Jahren wird im Ruhrgebiet Steinkohle weit unter Tage gefördert.
Nur noch etwa 1000 Bergleute arbeiten bei Bottrop unter Tage, das Förderziel von 1,8 Millionen Tonnen Steinkohle für dieses Jahr wurde schon vor Wochen erreicht. Nun geht es ab nächstem Jahr für einige wenige Kumpel weiter mit dem Rückbau der Zeche, die meisten aber verlieren ihren Job. Seit fast 200 Jahren wird im Ruhrgebiet Steinkohle gefördert, die Region wuchs in der Mitte des 19. Jahrhunderts von einer der ärmsten Gegenden Europas zu einem Ballungsraum mit fünf Millionen Menschen mit Metropolen wie Dortmund, Duisburg, Essen, Bochum, Gelsenkirchen oder Bottrop.
Die Steinkohle war der Motor der Industrialisierung, zeitweise deckten die insgesamt 150 Millionen jährlich geförderten Tonnen zwei Drittel des ­deutschen Energiebedarfs ab. In den 1950er-Jahren, der Hochphase des Steinkohlenabbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, arbeiteten über eine halbe Million Bergleute weit unter Tage in mehr als 160 teilweise gigantischen Zechen. Nach dem Krieg fehlten neun Millionen junge Männer in Deutschland, es setzte eine Internationalisierung der Bergmannsszene ein. Menschen aus Polen, der Türkei, aus Italien und Griechenland schufteten Seite an Seite mit Deutschen unter Tage. Religion, Herkunft, das alles spielt unter den Kumpels bis heute keine Rolle.